Gewalt gegen Frauen wirksam bekämpfen!

Gewalt gegen Frauen wirksam bekämpfen – Delmenhorst braucht einen Aktionsplan zur Umsetzung der Istanbul-Konvention

Gewalt gegen Frauen in Deutschland erreicht ein alarmierendes Ausmaß. Nach aktuellen Daten des Bundesinnenministeriums wurden im Jahr 2024 über 187.000 Frauen Opfer häuslicher Gewalt, was einem weiteren Anstieg entspricht. Nahezu täglich kommt es zu einem Femizid, und ein Großteil der Betroffenen von Partnerschafts- und häuslicher Gewalt sind Frauen. Gleichzeitig nehmen auch digitale Formen der Gewalt sowie frauenfeindliche Straftaten spürbar zu. „Diese Zahlen sind kein statistisches Randphänomen, sondern Ausdruck eines massiven strukturellen Problems. Jede einzelne Tat ist eine zu viel.”, erklärt Nadja Allmers-Plump, Kreissprecherin.

Gewalt gegen Frauen ist eine Menschenrechtsverletzung und Ausdruck fortbestehender Ungleichheit. Mit der Ratifizierung der Istanbul-Konvention hat sich Deutschland verpflichtet, umfassende Maßnahmen zur Prävention, zum Schutz von Betroffenen und zur Bekämpfung dieser Gewalt zu ergreifen. Diese Verpflichtung gilt auf allen staatlichen Ebenen.
Zugleich zeigen aktuelle Entwicklungen, dass sich Gewalt gegen Frauen weiter verändert. Neben körperlicher und psychischer Gewalt treten zunehmend digitale Formen wie gezielte Bloßstellung, Deepfakes oder sexualisierte Übergriffe im Netz. Fälle wie die von Anne und Rebecca, von denen heimlich Fotos in der Sauna gemacht wurden oder die massenhafte Verbreitung pornografischer Deepfakes machen deutlich, wie groß die Schutzlücken sind. Auch der aktuell bekannt gewordene Fall von Collien Fernandes, in dem über Jahre hinweg digitale sexualisierte Gewalt ausgeübt worden sein soll, sie spricht von “digitaler Vergewaltigung”.

“Der Fall um Collien Fernandes hat mich wirklich bewegt und zeigt wieder: Gewalt gegen Frauen findet häufig in den eigenen vier Wänden statt – der Tatort wird nun immer öfter auch das Internet. Unser Schutzsystem muss mit dieser Entwicklung Schritt halten.“, erklärt Nadja Allmers-Plump, Kreissprecherin der Grünen Delmenhorst.

„Der deutsche Gesetzgeber vernachlässigt es effektiven Gewaltschutz und damit Schutzräume für Frauen zu schaffen, aber er trägt die Verantwortung nicht allein. Alle sind daran gehalten, das Umfeld von Frauen sicherer zu gestalten - beispielsweise gehört ein Handy nicht in die Sauna. In solchen Fällen können Unternehmen schon jetzt von ihrem Hausrecht Gebrauch machen.“, erklärt Aline Auffarth, Beisitzerin im Vorstand und frauenpolitische Sprecherin.

Auch auf Bundesebene wächst der politische Druck. Die Bundestagsabgeordnete Lena Gumnior, die sich seit längerem mit digitaler Gewalt gegen Frauen befasst, hat maßgeblich an einem Gesetzentwurf zur Strafbarkeit bildbasierter sexualisierter Gewalt gearbeitet. Ziel ist unter anderem eine Anpassung des Strafrechts, um insbesondere Deepfakes und vergleichbare Formen digitaler Gewalt wirksam zu erfassen, der Donnerstag im Bundestag beraten werden soll. “Diese Stärke und der Mut von Collien Fernandes beeindrucken mich tief. In Deutschland gibt es nach wie vor große Lücken im Strafrecht. Sexuelle Aufnahmen, die gegen den Willen der abgebildeten Personen gemacht werden, müssen verboten werden. Dazu zählt auch die Verbreitung von nicht einvernehmlichen KI-generierten pornografischen Inhalten. In anderen Ländern wie Spanien ist die Rechtslage bereits viel weiter und Betroffene erfahren die Unterstützung, die sie brauchen. Die Bundesregierung muss sexualisierte Gewalt endlich ernst nehmen und sie so behandeln wie andere akute Krisen. Abgesehen davon, ob etwas strafbar ist oder nicht: Für viele Männer bleibt sexualisierte Gewalt okay. Denn genau das ist es, was unsere Gesellschaft ihnen noch viel zu oft vermittelt. Straffreiheit trägt einen weiteren Teil dazu bei, dass sich Täter im Recht wähnen.”, so Dr. Lena Gumnior, Mitglied des Bundestages und Rechtsanwältin.

Die Grünen veranstalteten bereits im November 2025 anlässlich des Orange Day gemeinsam mit Dr. Lena Gumnior, Vertreterinnen der Polizei und sowie der Leiterin des Delmenhorster Frauenhaus eine Podiumsdiskussion, um die Herausforderung bei der Bekämpfung von sexualisierter Gewalt zu erörtern sowie Lösungen zu erarbeiten.
Auch in Delmenhorst bestehen im Hilfesystem weiterhin Herausforderungen, etwa bei Kapazitäten, Zugänglichkeit und Angebotsstrukturen. Um Gewalt wirksam zu bekämpfen, Betroffene besser zu schützen und Prävention nachhaltig zu stärken, braucht es eine strategische, abgestimmte und verbindliche Vorgehensweise.

Ein Aktionsplan zur Umsetzung der Istanbul-Konvention kann hierzu einen entscheidenden Beitrag leisten, indem er bestehende Lücken sichtbar macht, Maßnahmen bündelt und eine verlässliche Grundlage für die Weiterentwicklung von Schutz- und Unterstützungsstrukturen schafft. „Wer Gewalt gegen Frauen ernsthaft bekämpfen will, muss Strukturen schaffen, die tragen – präventiv, im Ernstfall und in der Nachsorge.“, Fraktionsvorsitzende Marianne Huismann. Die Fraktion von Bündnis 90/DIE Grünen Delmenhorst wird daher zeitnah einen Antrag dazu einbringen.

Gewalt gegen Frauen darf nicht hingenommen werden – weder im privaten noch im öffentlichen oder digitalen Raum. Es ist Aufgabe der Politik, hier entschieden zu handeln.
Stefan Berg, Beisitzer im Kreisvorstand der Grünen Delmenhorst ergänzt: “Die Politik muss reagieren. Aber ändern müssen sich auch wir Männer. Und das wird nur passieren, wenn Männer von Steinmeier bis zum Typ im Fitnessstudio klar Stellung beziehen, wenn Frauen - in welcher Form auch immer - angegriffen werden. Da ist Zivilcourage gefragt - jeden Tag.”

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